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Wie christlicher Fundamentalismus LSBTIAQ* bedroht und was Politik und Gesellschaft dagegen tun können

Christlicher Fundamentalismus gewinnt auch in Bayern zunehmend an Einfluss. Auf gesellschaftliche Debatten, auf die soziale Arbeit, auf politische Entscheidungen. Gerade dort, wo es um queere Vielfalt und körperliche Selbstbestimmung geht. Doch welche Akteur*innen und Netzwerke stecken dahinter? Wie organisieren sich queerfeindliche Kampagnen? Und welche Strategien nutzen diese Gruppen?

In unserem Webtalk am 16. Juli von 17:30-19 Uhr haben wir gemeinsam mit dem unabhängigen Recherche-Kollektiv FundiWatch einen genaueren Blick auf christlichen Fundamentalismus und dessen Rolle in aktuellen queerfeindlichen Mobilisierungen geworfen.

Wo verläuft die Grenze zwischen konservativem Christentum und Fundamentalismus?

Im Webtalk wurde deutlich, dass konservativer christlicher Glaube und christlicher Fundamentalismus nicht gleichzusetzen sind. Während sich viele Christ*innen, Kirchengemeinden und kirchliche Organisationen aktiv für Demokratie, Menschenrechte und die Rechte von queeren Menschen einsetzen, zeichnet sich Fundamentalismus durch einen absoluten Wahrheitsanspruch sowie das Bestreben aus, Politik und Gesellschaft nach den eigenen religiösen Vorstellungen zu gestalten. Problematisch wird es dort, wo religiöse Überzeugungen genutzt werden, um die Rechte anderer Menschen einzuschränken oder demokratische Grundwerte infrage zu stellen.

Die Referent*innen erläuterten, dass fundamentalistische Netzwerke häufig mit klaren Freund-Feind-Bildern arbeiten und gesellschaftliche Entwicklungen wie die gleichgeschlechtliche Ehe, sexuelle Bildung oder geschlechtliche Vielfalt als Bedrohung darstellen. Typisch sind außerdem intensive Missionierungsbestrebungen, die Ablehnung wissenschaftlicher Erkenntnisse in einzelnen Themenfeldern sowie der Versuch, politischen und gesellschaftlichen Einfluss zu gewinnen – etwa über Kampagnen, soziale Medien oder Lobbyarbeit.

Warum steht queere Vielfalt so häufig im Mittelpunkt fundamentalistischer Kampagnen?

Ein Schwerpunkt des Webtalks war die Frage, weshalb gerade queere Menschen immer wieder zum Feindbild gemacht werden. Nach Einschätzung von FundiWatch gehören traditionelle Vorstellungen von Geschlecht, Familie und Sexualität zum ideologischen Kern vieler christlich-fundamentalistischer Weltbilder. Diese beruhen häufig auf einer wörtlichen und exklusiven Auslegung religiöser Schriften sowie der Überzeugung, dass es eine von Gott vorgegebene und unveränderliche Ordnung von Geschlecht, Ehe und Familie gibt. Queere Lebensrealitäten werden deshalb häufig als Angriff auf diese Ordnung und als Symbol eines vermeintlichen gesellschaftlichen Werteverfalls dargestellt. Das Selbstbestimmungsgesetz, Nicht-Binarität oder Regenbogenfamilien werden gezielt emotionalisiert und als Bedrohung für Kinder, Familien oder Religionsfreiheit inszeniert. Dadurch dienen sie als wirkungsvolle Mobilisierungsthemen, um Ängste zu schüren, politische Unterstützung zu gewinnen und gesellschaftliche Konflikte zu verschärfen.

Queerfeindlichkeit ist dabei nicht nur Ausdruck religiöser Überzeugungen, sondern häufig auch ein strategisches politisches Instrument, um gesellschaftliche Polarisierung zu fördern und konservative sowie rechtspopulistische Milieus miteinander zu verbinden.

Welche politischen Maßnahmen braucht es, um dieser queerfeindlichen Mobilisierung entgegenzutreten?

Ein zentrales Fazit war, dass es nicht ausreicht, nur auf einzelne Vorfälle zu reagieren – vielmehr müssen demokratische und menschenrechtsorientierte Strukturen gestärkt werden. Gerade Bildungseinrichtungen und Träger der Sozialen Arbeit spielen dabei eine Schlüsselrolle. Fachkräfte benötigen mehr Sensibilisierung für die Strategien christlich-fundamentalistischer Akteur*innen sowie klare Orientierung an wissenschaftlichen Standards, Menschenrechten und dem Recht auf Selbstbestimmung. Kooperationen mit externen Trägern sollten sorgfältig geprüft werden, insbesondere dort, wo missionarische Einflussnahme oder diskriminierende Weltbilder mit pädagogischen oder sozialen Angeboten verbunden werden.

Darüber hinaus braucht es eine nachhaltige Förderung queerer Beratungs- und Bildungsangebote, Demokratieförderung, Medienkompetenz sowie mehr Forschung und Monitoring zu fundamentalistischen Netzwerken und ihren Strategien. Nur wenn staatliche Institutionen und die Zivilgesellschaft gemeinsam genau hinschauen und für Vielfalt, Menschenrechte und Demokratie eintreten, kann organisierter Queerfeindlichkeit wirksam begegnet werden.

  Deine Unterstützung – egal ob Zeit, Geld oder Sichtbarkeit – stärkt queere Menschen und Strukturen in Bayern. Danke, dass du Teil davon bist.